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Griet von Petersdorff

Studioleiterin, RBB

Lech Walesa und die Gewerkschaft Solidarnosc – das hat meine erste etwas aufmerksamere Wahrnehmung von Polen geprägt. Polen – ein mutiges Land also, das sich beharrlich wehrt gegen zu enge Fesseln, gegen Besatzer – dazu hatte es leider oft genug Anlass.

Ein mutiges Land also, mit starkem Bewusstsein für Traditionen, das aber nach vorn blickt. Diese Kombination mag ich sehr. Und dass es manchmal gemeinsam mit Deutschland geschieht, ist umso erfreulicher. Und auch für mich ist, wie der Bundespräsident Joachim Gauck in Danzig sagte, die Annäherung der beiden Länder Deutschland und Polen eigentlich ein Wunder, angesichts der historischen deutschen Schuld.

Ich hatte nach meinem Studium der Romanistik, Politik und Geschichte (immerhin osteuropäischer Schwerpunkt!) noch keine Ahnung, dass es mich einst nach Warschau ziehen würde. Ich begann Anfang 1993 als Reporterin beim damaligen Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) in der Redaktion von Brandenburg Aktuell. Ab 1997 berichtete ich auch für die Nachrichten- und Magazinsendungen im ersten Programm wie Tagesschau und Tagesthemen. Aber 2004 vertrat ich die ARD-Warschau-Korrespondenten regelmäßig. So konnte ich verfolgen, wie sich die Hauptstadt rasant in eine moderne Metropole verwandelte. Seit 1.September 2014 leite ich das Studio und denke: Polen - unser Nachbarland - ist faszinierend.

Der stete Kulturkampf zwischen Kirche und Moderne sorgt für ständige Diskussionen und manch Kuriosität. Ein Land das den Wodka liebt aber immer mehr den Wein, das in der EU eine berechenbare Größe geworden ist, besonders wichtig, ein "Zwischenland", zwischen dem Westen und dem Osten mit östlicher Tradition und westlichen Werten.

Und die Kneipenszene in Warschau? Die macht so richtig Spaß! Genau wie eine Schlittenfahrt durch Bialowieza, dem Urwald an der weißrussischen Grenze, in dem echte Bisons ab und zu den Weg abschneiden.