Skip to Content

Jörg Armbruster

Studioleiter, SWR
Kairo

Ich hatte ihn fünf Jahre lang vermisst, den Blick von meinem Korrespondentenschreibtisch, der im 13. Stockwerk eines Hauses direkt am Nil steht: im Vordergrund der Nil, breit und träge mit ein paar Segelbooten, Falukas genannt, dann das Grün des Sportclubs auf der Nilinsel Zamalek und schließlich am anderen Nilufer die Wohntürme der Stadt. Bei klarem Wetter - kommt selten vor - kann ich sogar ganz im Hintergrund die Pyramiden erkennen, aber wie gesagt, klare Luft gibt es nur selten in Kairo.

Vor allem der Verkehr, der hat dramatisch zugenommen in den letzten fünf Jahren. Man fährt nicht Auto, man staut sich und kämpft um jede noch so kleine Lücke, quetscht sich an zusammengebrochenen Klappertaxis vorbei. Meist schraubt der Fahrer verzweifelt an seinem Motor; denn diese Taxisfahrer können nur Geld verdienen, wenn sie in Bewegung sind; deswegen hupen sie jeden Fußgänger in der Hoffnung, er will mitfahren. Ihr Leben ist härter geworden, seit sie durch moderne weiße Taxis heftige Konkurrenz bekommen haben. Die gab es vor fünf Jahren noch nicht. 

Es hat sich einiges geändert in den letzten fünf Jahren in Kairo. Die Menschen sind aufmüpfiger geworden, lassen sich nicht mehr alles gefallen von der Polizei, zeigen sie an, wenn sie sich von ihr ungerecht behandelt fühlen und das geschieht schnell in Ägyptern. Das nützt nur selten etwas aber die Menschen wehren sich, demonstrieren vor dem Parlament - illegal natürlich - um mehr Lohn. Das Regime ist zu triefst verunsichert und schlägt immer wieder zurück.
Das haben wir schon zweimal zu spüren bekommen. Einmal zerstörten von der Polizei engagierte Schläger unsere Kamera, als wir eine Demonstration - eine illegale natürlich - filmen wollten. Ein anderes mal wurden wir festgenommen und erst freigelassen, als wir mit der Deutschen Botschaft gedroht haben. Die legte auch Beschwerde beim ägyptischen Außenministerium ein, doch das stritt die Vorfälle ganz einfach ab. Die Arbeitsbedingen haben sich also erheblich verschlechtert verglichen mit meiner Korrespondentenzeit von 1999 bis 2005.
Drehgenehmigungen bekommt nur nach langem Warten und das in einer Zeit, in der das Fernsehen immer schneller wird und am liebsten Berichte sofort abfordert.

Dennoch freue ich mich auf die nächsten Jahre. Die Menschen sind mir ans Herz gewachsen und über sie und ihre Sorgen zu berichten, ist notwendig und macht Spaß.

Aktuelle Beiträge auf tagesschau.de