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Peter Steffe

Korrespondent, SWR
Kairo

Man liebt diese Stadt oder man hasst sie - eine andere Variante gibt es nicht. Kairo, die größte Metropole Afrikas.

 Als ich Ende der 80iger Jahre erstmals in diese Millionenstadt kam, reichte die Bandbreite der Gefühle von "Oh Gott, was für ein Durcheinander und Chaos" bis hin zu "wie faszinierend". Täglich gibt es neue Erfahrungen und Erlebnisse, die scheinbar nicht enden wollen. Angefangen bei dem Umstand, dass 10 ägyptische Minuten nichts, aber auch gar nichts mit dem europäischen Maßstab für 10 Minuten zu tun haben. Wer da nicht ein Stück Gelassenheit an den Tag legt, wird sich ständig nur ärgern und an den Rand der Verzweiflung gelangen. Nicht nur dass die "Uhren" anders ticken, diese ganze Region hat einen anderen, eigenen Rythmus, dessen Takt und Pulsieren nicht mit der Rastlosigkeit Europas Schritt hält. Eine faszinierende Erfahrung, so man sich darauf einlassen kann und will. 

Wer dies aber zulässt entdeckt ständig neue Facetten in dieser Millionenmetropole, die das "Tor" zum Nahen  und Mittleren Osten ist. Journalistisch ist diese Region eine spannende und zugleich große Herausforderung, angesichts der laufenden Umwälzungsprozesse in den einzelnen Ländern - dem arabischen Frühling. Mitzuerleben, wie nach dem Sturz von Ägyptens Präsident Mubarak sich die Zivilgesellschaft fortentwickelt, die Demokratiebewegung in der Lage ist, ihre Forderungen nach Freiheit und Demokratie durchzusetzen. Zu verfolgen, wo sich das Land am Nil politisch hinbewegt. Auch in Libyen und dem Jemen stehen die dortigen Machthaber Gaddafi und Saleh am Ende ihrer Regenschaft. Sie sind quasi personifizierte Sinnbilder für den Despotismus in weiten Teilen der arabischen Welt, wo sich einige Machthaber verzweifelt gegen den eigenen Sturz wehren, wie beispielsweise Assad in Syrien. 

 Darüber zu berichten, sich mit den Veränderungen im Nahen und Mittleren Osten auseinanderzusetzen, diese Prozesse als Korrespondent zu begleiten, sich damit zu befassen, das alles direkt mitzuerleben, hautnah dabei zu sein, aber auch die anderen Facetten der Länder des Berichtsgebietes journalistische zu beleuchten - etwas Spannenderes gibt es nicht.

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