Skip to Content

Stefan Niemann

Studioleiter und Korrespondent, NDR
Washington D.C.

Twitter: @SNiemannARD

Der Senator ist stinksauer. "Wir Amerikaner sind auf dem Mond gelandet, da sollten wir doch in der Lage sein, unseren Spitzensportlern Uniformen für Olympia zu schneidern!" schimpft er vor dem Capitol. Doch die blaurotweiße Kollektion von US-Mode-Ikone Ralph Lauren ist Made in China. Ausgerechnet die Konkurrenz aus der aufstrebenden Volksrepublik nähte den Nationaldress der amerikanischen Athleten. Was für eine Schande! Der Aufschrei in Amerika hat mich überrascht - denn natürlich hängen auch in hiesigen Kleiderschränken seit Jahren fast nur noch Textilien aus asiatischer Produktion. Die Fliehkräfte der Globalisierung haben viele Arbeitsplätze in der US-Textilindustrie für immer vernichtet, den Konsumenten aber gleichzeitig billige Ware beschert. Eigentlich nichts Neues.....  Doch jetzt geht es um Amerikas Nationalstolz. Und ich merke gleich bei meinem ersten Einsatz für die Tagesschau, wie erschüttert es ist, das Selbstbewußtsein der krisengebeutelten Supermacht.

Nach spannenden Jahren als China-Korrespondent der ARD und Studioleiter in Peking sowie nach wertvollen Erfahrungen in Redaktions- und Managementaufgaben beim NDR Fernsehen in Hamburg nun also: Amerika! Gleich in den ersten Tagen zeigt sich meine neue Heimat Washington D.C. als lebens- und liebenswerte Stadt mit starker Neigung zu Bilderbuchwetter. Das ARD-Studio im geschäftigen Georgetown ist die ideale Basis für unsere Drehreisen zwischen Atlantik- und Pazifikküste. Nicht ohne Grund schwärmen USA-Fans, dass ihnen dieser Kontinent an guten Tagen die Welt ersetzt. Aber auch skeptische Beobachter sind fasziniert von den krassen Kontrasten, den gerade jetzt im Wahljahr so sichtbaren gesellschaftlichen Widersprüchen. Ich ahne, dass einem die Schönheit Amerikas die Sprache verschlagen kann - und einem angesichts der Schattenseiten mitunter die Worte fehlen..... Ich freue mich auf die kommenden Jahre als Amerika-Korrespondent und auf all die Geschichten made in USA.

Zur Person
Ich bin seit 1987 bei der ARD. Nach einem frühen Radio- und Fernsehvolontariat beim Norddeutschen Rundfunk war ich (Jg 1966) zunächst freier Reporter beim Hamburg Journal, dem ARD-Ratgeber Reise und in der Weltspiegel-Redaktion. Dann habe ich in Hamburg Politische Wissenschaft, Ostslawistik, Geschichte und Volkswirtschaftslehre studiert, dabei gleichzeitig weiter als Fernsehautor gearbeitet. Meine Russischkenntnisse konnte ich bei etlichen Drehreisen in die Sowjetunion nutzen. Vertretungseinsätze in unseren ARD Studios in Riga (Skandinavien und Baltikum), in Moskau, London und Singapur (Südostasien, Australien, Neuseeland) bestärkten den Wunsch, Auslandskorrespondent zu werden. 1995 wurde ich zunächst Redakteur im Aktuellen und berichtete aus Hamburg für Tagesschau und Tagesthemen. 1997 ging es dann nach China, wo ich fast acht Jahre lang ARD-Korrespondent und Studioleiter war. Danach folgte eine Zeit als Redaktionsleiter für Aktuelles in der Hamburger Zentrale; seit 2008 bis Mitte dieses Jahres war ich für die Abteilung "Ausland & Aktuelles" beim NDR verantwortlich (und damit auch für unsere Auslandsstudios). Seit dem 1. Juli 2012 gehöre ich zum Quartett der ARD-Fernsehkorrespondenten in Amerika.